Natur & Tierschutz 22. Mai 2025

Kitzrettung mit Drohne

Jeden Mai stirbt in Deutschland eine erschreckend hohe Zahl von Rehkitzen beim ersten Mähen. Sie ducken sich im hohen Gras, bewegen sich nicht — und werden erst gefunden, wenn es zu spät ist. Wir haben 2025 damit angefangen, das mit Drohnentechnik zu ändern.

Das Rehkitz ist ein Fluchttier, das sich in den ersten Lebenswochen ausschließlich durch Stillhalten schützt. Die Ricke versteckt ihr Junges im hohen Gras und kommt nur wenige Male täglich zum Säugen. Das Kitz riecht kaum, bewegt sich kaum, liegt einfach da — und hat über Jahrtausende damit überlebt. Dann kam der Mähtraktor.

Mit modernen Maschinen kann man ein großes Feld in wenigen Stunden abmähen. Für ein Kitz, das nicht aufsteht, bleibt keine Chance. Laut Schätzungen des Deutschen Jagdverbands kommen in Deutschland jährlich mehrere hunderttausend Kitze bei der Mahd ums Leben. Die Dunkelziffer ist vermutlich höher.

Wärmebildkamera aus der Luft

Die Lösung ist nicht neu — aber inzwischen technisch und finanziell zugänglich: Eine Drohne mit Wärmebildkamera überfliegt das Feld am frühen Morgen, bevor die Tiere von der aufgehenden Sonne auf Lufttemperatur erwärmt sind. In dieser Phase leuchtet jede warmblütige Wärme im Thermalbild deutlich auf.

Drohne im Einsatz bei der Kitzrettung über dem Feld
Früh morgens, bevor der Mähbalken angesetzt wird — die Drohne überfliegt das Feld systematisch in Bahnen

Der Ablauf ist einfach: Wir fliegen das zu mähende Feld in parallelen Bahnen ab, typischerweise in 30 bis 40 Metern Höhe. Jede Wärmequelle, die größer als ein Hase ist, wird auf dem Monitor markiert und manuell verifiziert. Liegt dort ein Kitz, wird es in einem Karton mit Grasdeckel gesichert, das Feld wird gemäht, danach kommt das Tier wieder an seinen Fundort zurück — die Ricke findet es über Lautgebung.

Es ist ein frühes Aufstehen, manchmal neblig und kalt. Aber wenn man ein Kitz findet und es am Abend wieder zurückgesetzt hat — dieses Gefühl rechtfertigt jede frühe Stunde.

Was wir dabei gelernt haben

Das Timing ist entscheidend. Zu früh — und die Kälte der Nacht macht es schwer, Tiere von der Umgebungstemperatur zu unterscheiden. Zu spät — und die Sonne hat das Feld bereits aufgeheizt. Das ideale Zeitfenster liegt in den allermeisten Fällen zwischen 5:30 und 8 Uhr morgens, je nach Wetter und Jahreszeit.

Außerdem: Nicht jede Wärmequelle ist ein Kitz. Maulwurfshügel, Pilzstrukturen, Steine — all das kann im Thermalbild Spuren hinterlassen. Man lernt mit der Zeit, zu interpretieren, was man sieht.

Auf einen Blick

  • Beste Flugzeit: 5:30–8:00 Uhr morgens, vor dem ersten Sonnenlicht
  • Flughöhe: 30–40 Meter für optimale Bildschärfe und Geländeabdeckung
  • Gefundene Kitze werden in Grasnest gesichert, nicht angefasst
  • Rücksetzen erfolgt nach der Mahd an den exakten Fundort
  • Drohneneinsatz erfordert Genehmigung für landwirtschaftliche Flächen

Zusammenarbeit mit dem Kitzrettungsverein Rheingau-Taunus

Wir machen das nicht allein — und das ist gut so. Unsere Kitzrettung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Kitzrettungsverein Rheingau-Taunus. Der Verein koordiniert den Drohneneinsatz in der Region, bringt Technik und Erfahrung mit — und ohne dieses Netzwerk wäre ein systematischer Schutz auf unseren Flächen nicht möglich. Die umliegenden Revierinhaber sind ebenfalls eingebunden, und wir stimmen uns bei größeren Mahdflächen gemeinsam ab.

Wer das unterstützen oder selbst aktiv werden möchte: Der Verein ist immer auf der Suche nach Menschen, die früh morgens mit anpacken wollen.

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